Die Herstellung von Damaszenerstahl

Nils Weis - Forgedcraft

Verfasst von Nils Weis

23 Jahre alt Kleingewerblicher Messerschmied seit 4 Jahren Spezialisierung auf Damastmesser, Küchen- und Outoormesser

29 Oktober 2020

Was ist Damaszenerstahl?

Ein Verbund verschiedener Stähle (meist 2-3), die in der Klinge ein schönes Muster ergeben und im Gegensatz zu Monostählen sehr kontrastreich sind.

Schritt 1: Die Wahl der richtigen Stähle

Nicht alle Stähle lassen sich miteinander verschweißen, und erstrecht eignen sich nicht alle Stähle für ein vernünftiges Damastmesser.

Geeignete Stähle: 75Ni8 (hoher Nickelgehalt), 1.2842 (hoher Mangangehalt)

Schritt: Die Stähle von Zunder und Rost befreien

Meist finden sich auf gelieferten Stählen leichte Oxidationsschichten, welche durch Schleifen entfernt werden müssen. Oxidierte Stähle lassen sich im späteren Feuerschweißverfahren sonst weniger gut miteinander verbinden.

Schritt 2: Das Damastpaket

Unter einem Damastpaket versteht man einen Stapel der verschiedenen Stähle. Folglich müssen die Stähle also in kleinere, gleich große Stücke geschnitten werden (mittels Winkelschleifer oder Bandsäge). Anschließend legt man die verschiedenen Plättchen übereinander (z.B. 1.2842, 75Ni8, 1.2842, 75Ni8, etc.). Liegen die Plättchen nun plan aufeinander, empfiehlt es sich diese mit einigen Schweißpunkten zu verbinden. Das Damastpaket anschließend an eine Eisenstange, die als Griff dient, anheften. Sonst wird’s schwierig..

TIPP: Weniger ist mehr! -> Zu viele Schweißnähte können sich im endgültigen Damastmuster bemerkbar machen.

Schritt 3: Die richtige Temperatur der Esse

Die Esse sollte eine Temperatur von etwa 1200 Grad (je nach Stahlsorten) haben. Das ist so wichtig, weil eine zu geringe Temperatur keine Verschweißung ermöglicht, und eine zu hohe Temperatur den Kohlenstoff im Stahl verbrennen lässt, wodurch keine Härtung mehr möglich ist.

Ob Gasesse oder Kohleesse ist nicht ganz so wichtig, es funktioniert in Beidem. Ich bevorzuge allerdings eine Gasesse, da man das Damastpaket hier besser sehen kann, außerdem ist das ganze etwas „reiner“, da keine Asche oder Ähnliches zwischen die Lagen gerät.

TIPP: Das Damastpaket sollte bei 1200 Grad hellgelb bis gelbweiß sein. Genauere Farbkodierungen finden sich im Internet.

Schritt 4: Feuerverschweißen + Falten

Die ersten Schläge sind extrem wichtig. Hier lieber etwas weniger Temperatur (800 – 1000 Grad). Ziel ist es nicht direkt zu verschweißen, sondern die einzelnen Lagen möglichst dicht aneinander zu bringen. Hier sind also sanftere, dafür genauere Hammerschläge gefragt. Nach 2-3 Durchgängen kann das Paket auf die Feuerschweißtemperatur (1200 Grad) erhitzt werden und mit harten, aber gezielten Schlägen miteinander verbunden werden. Das Ganze wird mehrmals wiederholt um eine vollständige Verschweißung an allen Stellen zu gewährleisten. Anschließend wird das Paket in die Länge geschmiedet und anschließend auf mittlerer Länge auseinander geschnitten (Winkelschleifer).

Nun haben wir zwei Damastpakete (2×20 Lagen z.B.), diese müssen erneut die durch das Schmieden erzeugten Zunderschichten durch Schleifen abgetragen werden und die 2 Pakete aufeinandergesetzt und mit einem Schweißgerät wieder zusammengeheftet werden. Und schon ist man bei 40 Lagen. Im Anschluss wird wieder zuerst bei 800-1000 Grad sachte geschlagen, um die 2 Pakete aneinander zu bringen, und anschließend erneut bei 1200 Grad verschweißt. Der Zyklus wird so oft wiederholt bis die gewünschte Lagenanzahl im Messer erreicht ist (Typisch sind etwa 240 Lagen. Möglich sind aber auch nur 3, 10 oder 40, bis hin zu 1.000.000)

TIPP: Verwende Borax (Flussmittel, Gewerbeschein benötigt) -> Beim Feuerverschweißen über das Damastpaket streuen, dadurch werden Unreinheiten zwischen den Lagen herausgespült. Es geht jedoch auch ohne Borax, ist aber etwas schwerer.

Schritt 5: Damastmuster lenken / bestimmen

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten das Damastmuster zu bestimmen. Eben beschriebener Prozess erzeugt einen „wilden Damast“.

Ein Regentropfen-, oder auch Rosendamast erhält man durch kleine Bohrungen im Damastpaket. Hierdurch legen sich die Lagen im anschließenden Ausschmieden in die Löcher der Bohrung, wodurch Kreise im Damastmuster entstehen.

Banddamast erhält man durch das Thorsieren eines Damastpaketes, also dem Verdrehen in einem Schraubstock. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, aber diese 3 sind die einfachsten.

Schritt 6: Messer ausschmieden + Damastmuster sichtbar machen

Nach der gewünschten Lagenanzahl und dem letzten Falten, muss das Messer in seine Form geschmiedet werden. Hier wird die Temperatur wieder heruntergefahren, auf etwa 900-1000 Grad. Ist das Messer ausgeschmiedet, muss es mittels Bandschleifer seinen Klingenschliff bekommen. Und genau an diesem Punkt wird es dem Damastzenerstahl überhaupt möglich richtig sichtbar zu werden. Grund dafür ist der V-förmige Anschliff der Klinge, wodurch Lage für Lage sichtbar werden kann. Damit der Kontrast der einzelnen Stähle aber überhaupt richtig herauskommen kann, muss die Klinge nach dem groben Anschliff richtig „clean“ geschliffen werden. Das heißt alle Kratzer aus dem Bandschleifer sollten durch Handsanding entfernt werden. Ich beginne hier meist bei Schleifpapier mit 40er-Körnung und arbeite mich hoch bis etwa 600. Anschließend nimmt das Messer ein Bad in einer starken Säure (Eisen-3-Chlorid, Batteriesäure, Schwefelsäure). Hierbei mache ich 3 10-Minuten-Intervalle und neutralisiere die Klinge anschließend mit Lauge und wasche sie mit Wasser ab. Zu guter Letzt nehme ich 2000-er Schleifpapier und fahre noch ein paar Mal über die Klinge drüber.

TIPP: Entferne Fettrückstände auf dem Messer durch Azeton vor dem Säurebad.

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